Eine Geschichte über Ausschleichen, Hoffnungen, Ängste & Entzugserscheinungen

Wie ich bereits freudestrahlend berichtet habe, reduziere ich momentan nach langer Kortisoneinnahme die Dosierung. Ich möchte Euch teilhaben lassen an dem, was mein Körper und mein Köpfchen da momentan so mitmachen.

Was passiert da mit dem Körper? Was ist das überhaupt dieses Kortison? Einige von Euch haben es sicherlich schon mal nehmen müssen und wissen bescheid… aber sicherheitshalber nochmal:

Kortison basiert auf Kortisol, einem lebenswichtigen Hormon, das in der Nebennierenrinde u. a. aus Cholesterin gebildet wird und zu den Glukokortikoiden gehört. 1936 gelang es drei voneinander unabhängigen Forschergruppen, eine Substanz aus der Nebenniere zu isolieren, die später den Namen Kortison erhielt. Zehn Jahre später konnte dieser Stoff auch im Labor synthetisch hergestellt werden. Es hat die Fähigkeit u.a. Entzündungen zu hemmen.

Unser Körper ist aber pfiffig. Er merkt, dass er bei Einnahme von Kortison ja selbst gar nicht mehr aktiv werden muss, was die eigene Cortisolproduktion angeht. Also führt die Zuführung des Glukokortikoids von außen häufig auch dazu, dass die eigene Hormonproduktion einschläft. Dies kann sogar zum Schwund der Nebennierenrinde führen.

Problematisch wird dieser Zustand, wenn die Therapie abgebrochen wird, weil es einige Zeit dauert, bis die eigene Produktion wieder in Gang kommt. Deshalb empfiehlt es sich dies nach langer Kortisoneinnahme langsam und in Absprache mit dem Arzt durchzuführen.

Bitte probiert da nichts auf eigene Faust. Das kann schnell nach hinten losgehen. Ich verstehe den Wunsch nur zu gut, doch trotzdem sollte man dies nicht tun. Wie oft stand ich vorm Spiegel habe mein Mondgesichtchen verflucht, habe meine Muskeln gesucht und den Schlaf nicht gefunden. Aber auf der anderen Seite hat dieses Medikament mir auch ermöglicht wieder einen Alltag zu finden und die höchsten Entzündungsphasen beherrschbar zu machen.

Jetzt hoffe ich aber, dass ich es auch ohne das Kortison schaffen kann. Große Hoffnung macht sich breit, gemischt jedoch mit der Angst es könnte in die Hose gehen.

Vor zwei Wochen habe ich angefangen die Dosierung zu verringern. Und schon etwa 3-4 Tage später merkte ich Veränderungen. Mein Bauch ist etwas empfindlicher, wobei das auf ein paar wenige Krämpfe zwischendurch beschränkt ist.

Mein Körper reagiert enorm gestresst auf die Reduzierung, obwohl diese sehr gering ist. Es trifft gerade glaube ich momentan genau das ein, was oben beschrieben ist. Jahrelang konnte meine Nebennierenrinde schön abhängen und musste selbst kaum was produzieren, da durch das Kortison die Hormone synthetisch zugeführt wurden. Und jetzt ohaaa, jetzt muss die wieder ran. Watt n Stress.

Jetzt fühle ich mich Stimmungsmäßig gerade so, als würde ich meine Periode bekommen, zur Mündlichen Abschluss-Prüfung und über ein Seil auf 1000m Höhe balancieren müssen. Ich nannte es vor Tagen mal so… „Ich fühle mich wie eine Gefühlsbestie“.

Und das Schlimmste ist, ich merke wie bescheuert ich gerade bin und kann trotzdem keinen Einfluss nehmen. Ahh, ich kann mich gerade selbst nicht ab.

Halt – Nein. Das lasse ich natürlich nicht zu und gebe mich dem nicht hin. Denn ich weiß ja, es sind nur „Hormone“ und die können einem ganz schön übel mitspielen. Es ist eine Reaktion des Körpers. Und egal wie komisch es sich gerade anfühlt, ich finde doch das Positive darin. Mein Körper reagiert darauf. Er scheint selbst noch diese Hormone produzieren zu können, wenn zwar gerade etwas ungestüm.

Und dann, ja … dann noch dieser Kopf… zum einem diese Freude, yeaaaaaah, ich darf reduzieren, und bäääm, da kommt wieder die Faust namens Angst und haut einen um. Was, wenn es nicht gut geht? Was, wenn die Beschwerden stärker werden?

Tja, dann werde ich das ehrlich meinem Arzt mitteilen. Dann bin ich vielleicht noch nicht soweit. Aber dann stelle ich mir wenigstens nicht mehr die Frage, ob es denn sein muss mit dem Kortison 😉

Aber jetzt wollen wir mal noch nicht den Teufel an die Wand malen. Da mein Körper momentan empfindlicher ist, achte ich derzeit noch stärker auf meine Ernährung, Bewegung und Belastung. Denn ich darf mir jetzt auch nicht zu viel zumuten.

Denn es ist ein Entzug. Es bedeutet Stress für den Körper, und Stress ist Gift für den Bauch… und ich mag diese Spirale gar nicht anwerfen. Deshalb heißt es weiter positiv denken, das eigene Gefühlswirrwarr mit einem Lächeln über sich selbst hinnehmen und sich nicht zu viel erhoffen und aufbürden.

Egal wie es läuft, es wird weitergehen.

Liebe Grüße von Eurer Gefühlsbestie – Eva 😉

2 Gedanken zu “Eine Geschichte über Ausschleichen, Hoffnungen, Ängste & Entzugserscheinungen

  1. Hallo Eva,

    von den Medikamenten weg zu kommen ist schwierig. Definitv. Ich selbst habe rheumatoide Arthritis und wollte auch weg von MTX und den anderen zusätzlichen Belastungen.
    Ich habe mich Mental anders darauf eingestellt.
    Mit Bachblüten und homöopathischen Mitteln, habe ich die Grundlage geschaffen und die Auseinandersetzung mit der Psychosomatik meiner Erkrankung hat mir einen gewaltigen Schub nach vorn gegeben.
    Nichts desto trotz ging die Reduzierung immer nur in halbjahres Schritten.
    Aber es hat sich gelohnt. Derzeit nehme ich gar nichts und das ist auch gut so.

    Du bist ein starker Charakter und wirst sehr weit kommen. Da bin ich mir sicher.
    Lass Dich nicht entmutigen, auch wenn es mal bergab geht. Nach dem Tal kommt der nächste Berg und dann bist Du wieder oben und hast die Sonne im Gesicht 😉

    Herzliche Grüße
    Jürgen

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